Pressespiegel
kressreport vom 04.September 2009: TV-PRODUZENTEN: Ein kleiner Manufakturbetrieb
probono-Chef Friedrich Küppersbusch über Preiswettbewerb, seine Gespräche mit Übernahmeinteressenten und die Konsequenzen saugender Gesellschafter
Friedrich Küppersbusch, 48, führt seit 1996 seine Produktionsfirma probono. Ihm selbst gehören 85% der Anteile, Co-Geschäftsführer Burkhard Weber der Rest. Größter Erfolg ist die RTL-Doku-Soap "Raus aus den Schulden" mit Peter Zwegat, die am 9. September in die sechste Staffel startet. Im WDR Fernsehen läuft ab 28. September das neue Coaching-Format "Frau Dr. Lenz - Der Große Firmen-Check".
kress: Herr Küppersbusch, wie stark spüren Sie als Produzent die Krise?
Friedrich Küppersbusch: Ich kann nicht klagen. Bisher hat es uns nicht umgehauen. Vielleicht ist das taktisch ungeschickt und ich sollte besser laut jammern. Aber ich habe nicht die Dürreperiode 2001/02 durchgestanden, um jetzt die Flinte ins Korn zu werfen.
kress: Inwieweit führen Sie Wettbewerb inzwischen über den Preis?
Küppersbusch: Wir sind ein kleiner Manufakturbetrieb. Wer zu uns kommt, hat eine gewisse Qualitätsidee im Kopf und weiß, dass wir fair kalkulieren, aber nicht unendlich verhandeln. Ich denke nicht, dass man einer gefühlten Krise über den Preis begegnen kann. Uns sagen manche Sender: Wir möchten probono gern im Pitch dabei haben, weil wir wissen, dass ihr nicht scriptet. Was ist das für ein kranker Begriff? "Scripted Reality" - entweder ist es Reality oder scripted. Das ist für uns eine klare Demarkationslinie. Dort würden wir uns nicht einreihen. Grundsätzlich stehen wir aber mit realitätsbezogenem Fernsehen auf der richtigen Seite. Für Fiction-Produzenten dürfte es sehr schwer werden, die Sender nach der Krise zu überzeugen, dass sie wieder das zwei- bis dreifache Geld in die Hand nehmen, um die gleichen Plätze zu bespielen. Das Publikum hat den Sendern sparen geholfen, indem es sich eh viel mehr für Realität interessiert.
kress: Wie viele Übernahmeangebote hatten Sie schon für Ihre Firma?
Küppersbusch: Das eine oder andere Gespräch gab es. Allerdings sind ein paar der interessierten Entscheider inzwischen gar nicht mehr dort Entscheider, wo sie mir das Angebot gemacht haben. Mir würde es äußerst befremdlich vorkommen, wenn ich mich verpflichten müsste, noch fünf Jahre leitender Angestellter in dem Laden zu bleiben, der mir mal gehört hat. Außerdem könnte ich so manche Investition in verrückte Ideen keinem Board dieser Welt erklären.
kress: Internationale Vernetzung und Wachstumsperspektiven würden Sie nicht reizen?
Küppersbusch: Wenn Sie sich in eine Struktur begeben, in der am Jahresende die Gesellschafter oder die Mutterfirma saugen, dann programmieren Sie Ihr Unternehmen auch inhaltlich um. Es darf dann nur noch Produktionen machen, die schnell Geld verdienen. Das oberste Ziel eines Unternehmens ist aber nicht unbedingt Gewinnentnahme. Bei uns geht der Sog eindeutig zur kreativen Seite. Hier sitzen mehrheitlich Leute mit inhaltlichen Ambitionen. Deshalb sind wir 25 und nicht 250. Ansonsten wären wir an die Börse gegangen, würden "Girlscamp" produzieren und irgendwann einer englischen Heuschrecke gehören.
kress: Wäre es nicht klüger, nach dem Erfolg von "Raus aus den Schulden" ein paar ähnliche Formate und weitere Coaches zu etablieren?
Küppersbusch: Kaufmännisch wäre es sicher besser, viele kleine Zwegats auf Sendung zu schicken. Aber das reizt mich nicht. Die Me-too-Formate können von mir aus die Me-too-Produzenten machen. Mit Line Extensions haben wir es noch nie so richtig gehabt. Nach "Maischberger" kam "Der große Deutsch-Test" mit Hape Kerkeling, dann "Raus aus den Schulden" - Kontinuität klingt irgendwie anders.
kress: Also keine strategischen Pläne, im Coaching-Genre zu expandieren?
Küppersbusch: Natürlich sind Sender an uns herangetreten und wollten gern etwas Ähnliches haben. Für den WDR machen wir jetzt "Frau Dr. Lenz - Der Große Firmen-Check", ein Unternehmenscoaching für Kleinbetriebe. Das ist ein interessanter Ansatz. Mein Ehrgeiz geht nämlich weiter, als jetzt möglichst viele Coaches zu casten. Wenn beim Marktführer RTL eine journalistisch geprägte Sozialreportage wie "Raus aus den Schulden" so gut funktioniert, dann ist doch eine ganz andere Tür aufgestoßen - für neue Formate mit politischen und gesellschaftlich relevanten Inhalten.
kress: Die liefern Sie auch mit Ihren Formaten bei n-tv, u.a. dem interaktiven "Busch@n-tv". Was können Sie damit bewegen?
Küppersbusch: Wir machen Programm für öffentlich-rechtliche Zuschauer, denen die Öffentlich-Rechtlichen zu kommerziell geworden sind. Ehrlich gesagt, beißen wir jedes Mal souverän grinsend in den Tisch, wenn wieder jemand den interaktiven politischen Talk erfunden hat. Leo Busch und ihre Mannschaft von "Busch@n-tv" arbeiten sich daran schon seit 2006 ab. Das TV-Publikum wartet nicht darauf, interaktiv sein zu dürfen. Es möchte bedient werden. Die Leute, die interaktiv sein wollen, sind längst im Netz. Mein 18-jähriger Sohn guckt im Monat vielleicht noch eine halbe Stunde TV - und die bei YouTube. Also muss man sich als Fernsehschaffender überlegen: Geben wir auf oder gehen wir mit? Es ist noch ein gehöriges Stück Arbeit, beide Seiten aufeinander zu zu bewegen, aber die Mühe lohnt sich. (Torsten Zarges)
Friedrich Küppersbusch, 48, führt seit 1996 seine Produktionsfirma probono. Ihm selbst gehören 85% der Anteile, Co-Geschäftsführer Burkhard Weber der Rest. Größter Erfolg ist die RTL-Doku-Soap "Raus aus den Schulden" mit Peter Zwegat, die am 9. September in die sechste Staffel startet. Im WDR Fernsehen läuft ab 28. September das neue Coaching-Format "Frau Dr. Lenz - Der Große Firmen-Check".
kress: Herr Küppersbusch, wie stark spüren Sie als Produzent die Krise?
Friedrich Küppersbusch: Ich kann nicht klagen. Bisher hat es uns nicht umgehauen. Vielleicht ist das taktisch ungeschickt und ich sollte besser laut jammern. Aber ich habe nicht die Dürreperiode 2001/02 durchgestanden, um jetzt die Flinte ins Korn zu werfen.
kress: Inwieweit führen Sie Wettbewerb inzwischen über den Preis?
Küppersbusch: Wir sind ein kleiner Manufakturbetrieb. Wer zu uns kommt, hat eine gewisse Qualitätsidee im Kopf und weiß, dass wir fair kalkulieren, aber nicht unendlich verhandeln. Ich denke nicht, dass man einer gefühlten Krise über den Preis begegnen kann. Uns sagen manche Sender: Wir möchten probono gern im Pitch dabei haben, weil wir wissen, dass ihr nicht scriptet. Was ist das für ein kranker Begriff? "Scripted Reality" - entweder ist es Reality oder scripted. Das ist für uns eine klare Demarkationslinie. Dort würden wir uns nicht einreihen. Grundsätzlich stehen wir aber mit realitätsbezogenem Fernsehen auf der richtigen Seite. Für Fiction-Produzenten dürfte es sehr schwer werden, die Sender nach der Krise zu überzeugen, dass sie wieder das zwei- bis dreifache Geld in die Hand nehmen, um die gleichen Plätze zu bespielen. Das Publikum hat den Sendern sparen geholfen, indem es sich eh viel mehr für Realität interessiert.
kress: Wie viele Übernahmeangebote hatten Sie schon für Ihre Firma?
Küppersbusch: Das eine oder andere Gespräch gab es. Allerdings sind ein paar der interessierten Entscheider inzwischen gar nicht mehr dort Entscheider, wo sie mir das Angebot gemacht haben. Mir würde es äußerst befremdlich vorkommen, wenn ich mich verpflichten müsste, noch fünf Jahre leitender Angestellter in dem Laden zu bleiben, der mir mal gehört hat. Außerdem könnte ich so manche Investition in verrückte Ideen keinem Board dieser Welt erklären.
kress: Internationale Vernetzung und Wachstumsperspektiven würden Sie nicht reizen?
Küppersbusch: Wenn Sie sich in eine Struktur begeben, in der am Jahresende die Gesellschafter oder die Mutterfirma saugen, dann programmieren Sie Ihr Unternehmen auch inhaltlich um. Es darf dann nur noch Produktionen machen, die schnell Geld verdienen. Das oberste Ziel eines Unternehmens ist aber nicht unbedingt Gewinnentnahme. Bei uns geht der Sog eindeutig zur kreativen Seite. Hier sitzen mehrheitlich Leute mit inhaltlichen Ambitionen. Deshalb sind wir 25 und nicht 250. Ansonsten wären wir an die Börse gegangen, würden "Girlscamp" produzieren und irgendwann einer englischen Heuschrecke gehören.
kress: Wäre es nicht klüger, nach dem Erfolg von "Raus aus den Schulden" ein paar ähnliche Formate und weitere Coaches zu etablieren?
Küppersbusch: Kaufmännisch wäre es sicher besser, viele kleine Zwegats auf Sendung zu schicken. Aber das reizt mich nicht. Die Me-too-Formate können von mir aus die Me-too-Produzenten machen. Mit Line Extensions haben wir es noch nie so richtig gehabt. Nach "Maischberger" kam "Der große Deutsch-Test" mit Hape Kerkeling, dann "Raus aus den Schulden" - Kontinuität klingt irgendwie anders.
kress: Also keine strategischen Pläne, im Coaching-Genre zu expandieren?
Küppersbusch: Natürlich sind Sender an uns herangetreten und wollten gern etwas Ähnliches haben. Für den WDR machen wir jetzt "Frau Dr. Lenz - Der Große Firmen-Check", ein Unternehmenscoaching für Kleinbetriebe. Das ist ein interessanter Ansatz. Mein Ehrgeiz geht nämlich weiter, als jetzt möglichst viele Coaches zu casten. Wenn beim Marktführer RTL eine journalistisch geprägte Sozialreportage wie "Raus aus den Schulden" so gut funktioniert, dann ist doch eine ganz andere Tür aufgestoßen - für neue Formate mit politischen und gesellschaftlich relevanten Inhalten.
kress: Die liefern Sie auch mit Ihren Formaten bei n-tv, u.a. dem interaktiven "Busch@n-tv". Was können Sie damit bewegen?
Küppersbusch: Wir machen Programm für öffentlich-rechtliche Zuschauer, denen die Öffentlich-Rechtlichen zu kommerziell geworden sind. Ehrlich gesagt, beißen wir jedes Mal souverän grinsend in den Tisch, wenn wieder jemand den interaktiven politischen Talk erfunden hat. Leo Busch und ihre Mannschaft von "Busch@n-tv" arbeiten sich daran schon seit 2006 ab. Das TV-Publikum wartet nicht darauf, interaktiv sein zu dürfen. Es möchte bedient werden. Die Leute, die interaktiv sein wollen, sind längst im Netz. Mein 18-jähriger Sohn guckt im Monat vielleicht noch eine halbe Stunde TV - und die bei YouTube. Also muss man sich als Fernsehschaffender überlegen: Geben wir auf oder gehen wir mit? Es ist noch ein gehöriges Stück Arbeit, beide Seiten aufeinander zu zu bewegen, aber die Mühe lohnt sich. (Torsten Zarges)








