probono.tv - Fernsehproduktion GmbH
18.01.2010 BZ-Berlin: TV News
Pressespiegel Frankfurter Rundschau: Wer frisst hier eigentlich wen? Katrin Bauerfeind ist die Protagonistin eines neuen 3sat-Magazins VON HARALD KELLER

Zu den triftigeren Hinterlassenschaften des gewitzten Metaphorikers Marshall McLuhan gehört die Beobachtung, dass neue Medien die älteren in sich aufnehmen: Der Film verspeist das Buch, das Fernsehen den Film, das Internet das Fernsehen.

Nun ist aber das Fernsehen ungleich widerspenstiger und schnappt gelegentlich zurück. Es gab diverse Versuche, Eigenarten des Internets mit den formalen Möglichkeiten des Fernsehens zu verschmelzen. Auch vermag das Internet zwar partiell Prominenz herzustellen, doch erst mit Hilfe des Fernsehens lässt sie sich zureichend ökonomisieren.

In dem neuen, von Friedrich Küppersbuschs Produktionsfirma probono hergestellten Magazin "Bauerfeind" kommen die beschriebenen Vorgänge aufs Schönste überein. Die Namensgeberin Katrin Bauerfeind begann ihre Karriere als Moderatorin der Internet-Produktion "Ehrensenf". Das Wort ist ein Anagramm für Fernsehen, und in diesem Medium setzte die Diplomjournalistin ihre Laufbahn dann auch fort. Sie überzeugte mit ihrer leis ironischen Art als Moderatorin des 3sat-Thementages "Televisionen in Schwarz-Weiß", sie machte als Schwangerschaftsvertretung sogar "Polylux" erträglich, und sie zeigte ihre schwächere Seite in der Reisedokumentation "1-2-3 Moskau".

In "Bauerfeind" widmet sich die 26-Jährige nun einmal monatlich einem bunten popkulturellen Allerlei. In der Auftaktfolge wird berichtet, dass Großkonzerne neuerdings unter versierten Computerspielern nach neuen Führungskräften suchen. In Rede steht die Rolle des Internets im kommenden Wahlkampf, und man möchte wissen, wie die CDU klingen würde, wenn sie ein Sounddesign wäre.

Ein Interview mit Udo Lindenberg ist enthalten, bei dem Katrin Bauerfeind eher zu viel und an falschen Stellen lacht, aber sie legt schon vor der eigentlichen Sendung in einer Art Outtake offen, dass sie bei der Begegnung mit dem Giganten aus Gronau vom Lampenfieber gepeitscht wurde. Das ist nun wieder sehr sympathisch, und wer überdies ein libidinöses Verhältnis zur Intelligenz unterhält, wird gar versucht sein, umgehend einen Heiratsantrag auszufüllen, wenn da Sätze fallen wie "Peter hat schlimm FDP und trotzdem gute Laune."

Den ironischen Vortrag beherrscht Katrin Bauerfeind wie keine Zweite, und mit diesem Magazin wurde ihr ein adäquates Format geschaffen. Denn hier kann sie Beiträge nach Belieben aufrufen, anhalten, ergänzen und belächeln, zurückspulen. Auch Web-Angebote zaubert sie auf den Schirm, sodass sich ein zirkulares System ergibt, sobald die Sendung ins Internet gerät. Verzwickt: Wer frisst hier eigentlich wen?

Zur informatorischen Funktion eines Magazins gesellt sich bei "Bauerfeind" der hier mindestens gleichberechtigte Kommentar und erweist sich als besonderer Vorzug. Damit macht das Format seiner Namensgeberin Ehre, und wenn es auch keinen Senf mehr gibt, so doch scharfsinnige Gedanken: Wenn man Popcorn in einen Kulturbeutel schüttelt, ist das dann schon Popkultur oder ist es einfach nur ein Corn-Beutel? Ein feines Aperçu - und eine prächtige Denksportaufgabe für Kulturjournalisten der alten wie der neuen Medien.

"Bauerfeind", 3sat, 21.30 Uhr.
3auerfeind