Pressespiegel
Der Westen - Das Portal der WAZ Mediengruppe: TV-Produzent Küppersbusch: Ich bin ein Grenzgänger
Dortmund. Ab Mittwoch, 21.15 Uhr, zeigt RTL-Schuldnerberater Peter Zwegat wieder Wege "raus aus den Schulden". Jürgen Overkott sprach mit dem Mann hinter Zwegat: dem Dortmunder TV-Produzent Friedrich Küppersbusch.
WR: Sie sind ein Freund der zuspitzten Rede. Haben Sie damals, als Sie das Politmagazin „ZAK“ gemacht haben, damit gerechnet, dass es so viele Beulen geben würde?
FK: Beulen? Zu mir waren sie alle nett. Wenn man rechtzeitig gefeuert wird, hat man den Vorteil, dass man mit 60 beim Betriebsfest nicht mehr „Hossa“ singen muss. Das ist doch doof, wenn man sich nicht mehr entwickeln darf. Ja, und heute ist das so: Wenn sich Leute an mich erinnern, haben sie eine schöne Erinnerung.
WR: Trauern Sie den Zeiten hinterher, als Sie noch vor der Kamera gestanden haben?
FK: Nö. Das war eine schöne Zeit. Die Zeit hat mich bereichert. Ich muss nicht mehr in eine Castingshow gehen – ich war schon im Fernsehen. Und: So dolle ist es auch nicht, wenn Du prominent bist. Da kannst Du nicht mehr zum Lidl gehen und ein Brot kaufen, ohne dass drei Seniorinnen kommentieren: Das ist das falsche Brot. Die Gesichtsfläche ist Volkseigentum.
WR: Wann kam der Zeitpunkt, an dem Sie gesagt haben: Ich habe ein Recht auf mein eigenes Gesicht?
FK: Ich hatte eher Angst, dass es mir so geht, dass ich am Wochenende zur Tanke fahre und die Zapfsäule interviewe. Das war aber nicht so. Ich bin eine ganze Zeit wach geworden mit dem Gefühl: Ist heute nicht Sendung? Anstrengung, Aufregung, Adrenalin. Und dann kam langsam die Erkenntnis: Nee, ist ja gar nicht mehr. Das war für mich eine Erleichterung, nicht mehr in 30 Minuten die Welt erklären zu müssen. Sie kämpfen ja mit einer Sendung um ihren Arbeitsplatz. Denn wenn Sie richtig Mist machen, sind Sie draußen.
WR: Haben morgens voller Angst auf die Quoten geguckt?
FK: Das hätte ich besser mal getan. Bei den Öffentlich-Rechtlichen sagen sie Dir: Quoten interessieren uns nicht. Aber hinter verschlossenen Türen schielen sie auf die Marktanteile. Mir ist es lieber, dass mir die Leute von vorn herein sagen: Du kannst machen, was Du willst – aber die Quoten müssen stimmen.
WR: Gibt es bei den Privatsendern eine größere Freiheit zu arbeiten?
FK: Eine andere. Bei unserem Schuldnerberater beispielsweise haben wir überhaupt keine Vorgaben von RTL. Die Kollegen vertrauen uns. Das geht so lange gut, wie der Marktanteil stimmt.
WR: Wann haben Sie erkannt, dass Schuldnerberatung ein Riesenthema ist?
FK: Schon bei der „Super Nanny“ haben wir erkannt, dass das Publikum bereit ist, sich mit persönlichen Themen auseinanderzusetzen – und zwar auch mit Abseitigem. Mit Dingen, die schief gehen. Dass die „Super Nanny“ und auch „Zwegat“ derartige Erfolge werden würden, hätte ich nie erwartet. „Zwegat“ ging übrigens auf eine Anregung von RTL zurück. Die holländische RTL-Tochter hatte ein Format, das etwas anders gestrickt war als unser, aber eben das Thema Schuldner aufnahm.
WR: Sie sprechen von Abseitigem. Lieben die Zuschauer Freaks, die schrägen Vögel?
FK: Es ist sicher nicht so, dass Voyeurismus, der ein wichtiges Element von Fernsehen ist, ausgerechnet bei Dokus fehlt. Auch da gucke ich anderen Leuten beim Leben zu.
WR: Und es gibt nicht immer ein Happy-End.
FK: Manchmal muss Peter Zwegat sagen: Die Lage ist völlig verfahren, das Haus ist weg. Im günstigsten Fall sagt er: In sieben Jahren ist die Privatinsolvenz durch – wenn Ihr keinen Fehler mehr macht.
WR: Spontan denke ich an Hartz-Empfänger.
FK: Die besteingeschalteten Fällen sind aber nicht die Fälle von Hartz-Empfängern, über die man sich erhebt. Vielmehr hatte ein Bankier, der in die Schuldenfalle geraten war, die beste Quote. Ich habe mal einen befreundeten Presbyter aus der evangelischen Kirchengemeinde befragt. Der sagte mir: Ja, ein Riesenthema. Aber der typische Fall ist der: Er ist Hauptverdiener, sie arbeitet halbtags, Oma tut etwas von ihrer Rente dazu. Sie kaufen sich ein Eigenheim. Und plötzlich fällt ein Teil des Einkommens weg. Die zweite Gruppe sind Alleinerziehende.
WR: Sie sehen die Schuldnerberatung personalisiert. Wie lange hat es gedauert, um einen Typ wie Zwegat zu finden?
FK: Im Prinzip haben wir ihn schnell gefunden, weil er einer der dienstältesten Schuldnerberater in Deutschland ist. Wir wollten auf keinen Fall einen Journalisten, der einen Haufen Experten holt. So funktioniert Schuldnerberatung nämlich nicht. Wir hatten zunächst fünf Berater gecastet, stillgelegte Rechtsanwälte, stillgelegte Finanzbeamte, stillgelegte Steuerberater. Und wir hatten Peter Zwegat auf dem Band. Der hat sich uns gegenüber schnell als Favorit herausgestellt, aber RTL fand ihn sehr ungewöhnlich. Peter Zwegat sah die Risiken, aber einmal angestochen, wollte er das Projekt unbedingt.
WR: Inzwischen Zwegat Kultfigur.
FK: Eben weil er gegen alle Sehgewohnheiten ist. Der „normale“ Fernsehstar ist jung, hübsch, spricht Hochdeutsch, hat super Garderobe an und kann vermutlich auch noch singen und Step tanzen. Wir waren aber dickschädelig. Wir wollten Peter Zwegat: Der ist knorrig, der ist kompetent. Und da haben wir uns dann einen Typberater ausgeliehen, so einen, der andere aufhübscht. Hässliches Entlein, vorher, nachher. Da stand dann Zegat im kakadubunten Hemdchen. Und RTL meinte: Nee, so geht’s auch nicht. Steckt den einfach in einen Anzug. Uns war klar: Das ist schon ein Risiko. Aber es hat funktioniert.
WR: Gehen Sie gerne Risiken ein?
FK: Im Nachhinein kann ich das schlecht abstreiten. Wenn ich unsere erfolgreichsten Produktionen der letzten Jahre sehe – von Maischberger bei n-tv über den „Großen Deutschtest“ mit Hape Kerkeling bis eben zur Schuldnerberatung -, dann muss ich sagen: Das waren alles Grenzgänge. Raus aus den Schulden
Dortmund. Ab Mittwoch, 21.15 Uhr, zeigt RTL-Schuldnerberater Peter Zwegat wieder Wege "raus aus den Schulden". Jürgen Overkott sprach mit dem Mann hinter Zwegat: dem Dortmunder TV-Produzent Friedrich Küppersbusch.WR: Sie sind ein Freund der zuspitzten Rede. Haben Sie damals, als Sie das Politmagazin „ZAK“ gemacht haben, damit gerechnet, dass es so viele Beulen geben würde?
FK: Beulen? Zu mir waren sie alle nett. Wenn man rechtzeitig gefeuert wird, hat man den Vorteil, dass man mit 60 beim Betriebsfest nicht mehr „Hossa“ singen muss. Das ist doch doof, wenn man sich nicht mehr entwickeln darf. Ja, und heute ist das so: Wenn sich Leute an mich erinnern, haben sie eine schöne Erinnerung.
WR: Trauern Sie den Zeiten hinterher, als Sie noch vor der Kamera gestanden haben?
FK: Nö. Das war eine schöne Zeit. Die Zeit hat mich bereichert. Ich muss nicht mehr in eine Castingshow gehen – ich war schon im Fernsehen. Und: So dolle ist es auch nicht, wenn Du prominent bist. Da kannst Du nicht mehr zum Lidl gehen und ein Brot kaufen, ohne dass drei Seniorinnen kommentieren: Das ist das falsche Brot. Die Gesichtsfläche ist Volkseigentum.
WR: Wann kam der Zeitpunkt, an dem Sie gesagt haben: Ich habe ein Recht auf mein eigenes Gesicht?
FK: Ich hatte eher Angst, dass es mir so geht, dass ich am Wochenende zur Tanke fahre und die Zapfsäule interviewe. Das war aber nicht so. Ich bin eine ganze Zeit wach geworden mit dem Gefühl: Ist heute nicht Sendung? Anstrengung, Aufregung, Adrenalin. Und dann kam langsam die Erkenntnis: Nee, ist ja gar nicht mehr. Das war für mich eine Erleichterung, nicht mehr in 30 Minuten die Welt erklären zu müssen. Sie kämpfen ja mit einer Sendung um ihren Arbeitsplatz. Denn wenn Sie richtig Mist machen, sind Sie draußen.
WR: Haben morgens voller Angst auf die Quoten geguckt?
FK: Das hätte ich besser mal getan. Bei den Öffentlich-Rechtlichen sagen sie Dir: Quoten interessieren uns nicht. Aber hinter verschlossenen Türen schielen sie auf die Marktanteile. Mir ist es lieber, dass mir die Leute von vorn herein sagen: Du kannst machen, was Du willst – aber die Quoten müssen stimmen.
WR: Gibt es bei den Privatsendern eine größere Freiheit zu arbeiten?
FK: Eine andere. Bei unserem Schuldnerberater beispielsweise haben wir überhaupt keine Vorgaben von RTL. Die Kollegen vertrauen uns. Das geht so lange gut, wie der Marktanteil stimmt.
WR: Wann haben Sie erkannt, dass Schuldnerberatung ein Riesenthema ist?
FK: Schon bei der „Super Nanny“ haben wir erkannt, dass das Publikum bereit ist, sich mit persönlichen Themen auseinanderzusetzen – und zwar auch mit Abseitigem. Mit Dingen, die schief gehen. Dass die „Super Nanny“ und auch „Zwegat“ derartige Erfolge werden würden, hätte ich nie erwartet. „Zwegat“ ging übrigens auf eine Anregung von RTL zurück. Die holländische RTL-Tochter hatte ein Format, das etwas anders gestrickt war als unser, aber eben das Thema Schuldner aufnahm.
WR: Sie sprechen von Abseitigem. Lieben die Zuschauer Freaks, die schrägen Vögel?
FK: Es ist sicher nicht so, dass Voyeurismus, der ein wichtiges Element von Fernsehen ist, ausgerechnet bei Dokus fehlt. Auch da gucke ich anderen Leuten beim Leben zu.
WR: Und es gibt nicht immer ein Happy-End.
FK: Manchmal muss Peter Zwegat sagen: Die Lage ist völlig verfahren, das Haus ist weg. Im günstigsten Fall sagt er: In sieben Jahren ist die Privatinsolvenz durch – wenn Ihr keinen Fehler mehr macht.
WR: Spontan denke ich an Hartz-Empfänger.
FK: Die besteingeschalteten Fällen sind aber nicht die Fälle von Hartz-Empfängern, über die man sich erhebt. Vielmehr hatte ein Bankier, der in die Schuldenfalle geraten war, die beste Quote. Ich habe mal einen befreundeten Presbyter aus der evangelischen Kirchengemeinde befragt. Der sagte mir: Ja, ein Riesenthema. Aber der typische Fall ist der: Er ist Hauptverdiener, sie arbeitet halbtags, Oma tut etwas von ihrer Rente dazu. Sie kaufen sich ein Eigenheim. Und plötzlich fällt ein Teil des Einkommens weg. Die zweite Gruppe sind Alleinerziehende.
WR: Sie sehen die Schuldnerberatung personalisiert. Wie lange hat es gedauert, um einen Typ wie Zwegat zu finden?
FK: Im Prinzip haben wir ihn schnell gefunden, weil er einer der dienstältesten Schuldnerberater in Deutschland ist. Wir wollten auf keinen Fall einen Journalisten, der einen Haufen Experten holt. So funktioniert Schuldnerberatung nämlich nicht. Wir hatten zunächst fünf Berater gecastet, stillgelegte Rechtsanwälte, stillgelegte Finanzbeamte, stillgelegte Steuerberater. Und wir hatten Peter Zwegat auf dem Band. Der hat sich uns gegenüber schnell als Favorit herausgestellt, aber RTL fand ihn sehr ungewöhnlich. Peter Zwegat sah die Risiken, aber einmal angestochen, wollte er das Projekt unbedingt.
WR: Inzwischen Zwegat Kultfigur.
FK: Eben weil er gegen alle Sehgewohnheiten ist. Der „normale“ Fernsehstar ist jung, hübsch, spricht Hochdeutsch, hat super Garderobe an und kann vermutlich auch noch singen und Step tanzen. Wir waren aber dickschädelig. Wir wollten Peter Zwegat: Der ist knorrig, der ist kompetent. Und da haben wir uns dann einen Typberater ausgeliehen, so einen, der andere aufhübscht. Hässliches Entlein, vorher, nachher. Da stand dann Zegat im kakadubunten Hemdchen. Und RTL meinte: Nee, so geht’s auch nicht. Steckt den einfach in einen Anzug. Uns war klar: Das ist schon ein Risiko. Aber es hat funktioniert.
WR: Gehen Sie gerne Risiken ein?
FK: Im Nachhinein kann ich das schlecht abstreiten. Wenn ich unsere erfolgreichsten Produktionen der letzten Jahre sehe – von Maischberger bei n-tv über den „Großen Deutschtest“ mit Hape Kerkeling bis eben zur Schuldnerberatung -, dann muss ich sagen: Das waren alles Grenzgänge. Raus aus den Schulden








