Pressespiegel
FUNK Korrespondenz: DIETRICH LEDERs Journal der Bilder und der Töne
Der Buck, der Wortmann und ihre Partner: Wenn „Starregisseure“ eine Fußballfilmidee kopieren
„Gleich zwei Starregisseure“, hob superlativisch am 28. Mai ein Artikel von „Spiegel Online“ an, sollen aus Amateurvideobildern, die ihnen Fans von der Fußball-Europameisterschaft frei Haus schicken, je einen Film montieren, die dann über alle möglichen Wege (Kino, Fernsehen, Internet) in die Öffentlichkeit finden. Der eine Regisseur heißt Detlev „Wir können auch anders“ Buck, der andere Sönke „Sommermärchen“ Wortmann. Partner von Buck sind die Suchmaschine Google und der Mastbetrieb McDonald‘s, während Wortmann von der intellektuellen Wochenschrift „Bild am Sonntag“ („Bams“) sowie vom Videoportal YouTube engagiert wurde. Dass YouTube längst zu Google gehört wie die „Bams“ dem Springer-Verlag, scheint allen Beteiligten egal zu sein. Egal ist wiederum dem Autor des „Spiegel-Online“-Artikels, Christian Stöcker, der minutiös die Vorgeschichte vor allem des Wortmann-Projekts beschreibt, dass die ganze Idee so neu nicht ist.
Im Sommer 2006 hatte der Fernsehjournalist Tom Theunissen, dessen Fußballsatiren „Die den Adler tragen“ der ARD angesichts der staatlich verordneten Jubelstimmung im Lande wohl zu kritisch geworden waren, und der Produzent Friedrich Küppersbusch (Probono GmbH) im Auftrag des Pay-TV-Senders Premiere Zuschauer und Fans aufgefordert, ihnen per Internet Videoaufnahmen aller Art rund um die WM 2006 zuzuschicken. Aus diesem Material montierte Simon Hauschild, der als Autor für Comedy-Programme arbeitet, täglich einen anderthalbminütigen Bericht für das Premiere-Programm („Meine WM“). Tom Theunissen schnitt am Ende des Spektakels aus dem Gesamtmaterial einen knapp einstündigen Film mit dem schönen Titel „Am Tag, als ich Weltmeister wurde“.
Bemerkenswert an dem Projekt und an den Ergebnissen war dreierlei. Zum einen sollte es bis auf weiteres die letzte Auftragsproduktion des Pay-TV-Senders sein, der auch in diesen Tagen so konzept- wie hilflos einer unsicheren Zukunft zuzutreiben scheint. Zum zweiten zeigten die Videobilder – selten von semi-professionellen Kameras, sondern meist mit dem Mobiltelefon aufgenommen – in hohem Maße dasselbe: jubelnde und betrunkene Fans, Schreie, Gesänge und besondere Darbietungen aller Art. Erst durch die Montage und vor allem durch den ironischen Kommentar des Tom Theunissen gewannen die disparaten Einzelelemente etwas, was man als Sinn bezeichnen könnte. Und zum dritten kann man mittels dieser miniaturisierten Kameras die engen Regeln der FIFA (und nun der UEFA) umgehen, mit denen heutzutage die Bildaufnahme und -verwertung solcher Ereignisse zur Wertmaximierung behaftet sind. (Beim Buck-McDonald‘s-Google-Projekt ist die UEFA offizieller, sprich: bezahlter Partner.) Von den Spielen sieht man aber bei solchen Aufnahmen viel zu wenig, da der filmende Fan beispielsweise im Torjubel die Arme (und mit ihr die Kamera) in die Luft reißt, statt weiter auf ein stabiles Bild zu achten. Vielleicht bemerkt ja außerdem noch die Konzernzentrale von Google, dass sich da die neue Tochter YouTube in Konkurrenz zur Mutter begibt, weshalb dann entweder der Buck sein Projekt aufgeben muss oder der Wortmann. Nicht jedes Märchen endet ja glücklich.
All das musste hiermit dringend einmal gesagt werden. Ebenso, dass die Idee der „Starregisseure“ nicht nur zu zweit daherkommt, sondern ebenfalls in den Filmen von Theunissen und Küppersbusch respektable Vorgänger hat, an denen sie sich erst noch messen lassen muss.
2.6.08 – DIETRICH LEDER / FK
„Gleich zwei Starregisseure“, hob superlativisch am 28. Mai ein Artikel von „Spiegel Online“ an, sollen aus Amateurvideobildern, die ihnen Fans von der Fußball-Europameisterschaft frei Haus schicken, je einen Film montieren, die dann über alle möglichen Wege (Kino, Fernsehen, Internet) in die Öffentlichkeit finden. Der eine Regisseur heißt Detlev „Wir können auch anders“ Buck, der andere Sönke „Sommermärchen“ Wortmann. Partner von Buck sind die Suchmaschine Google und der Mastbetrieb McDonald‘s, während Wortmann von der intellektuellen Wochenschrift „Bild am Sonntag“ („Bams“) sowie vom Videoportal YouTube engagiert wurde. Dass YouTube längst zu Google gehört wie die „Bams“ dem Springer-Verlag, scheint allen Beteiligten egal zu sein. Egal ist wiederum dem Autor des „Spiegel-Online“-Artikels, Christian Stöcker, der minutiös die Vorgeschichte vor allem des Wortmann-Projekts beschreibt, dass die ganze Idee so neu nicht ist.
Im Sommer 2006 hatte der Fernsehjournalist Tom Theunissen, dessen Fußballsatiren „Die den Adler tragen“ der ARD angesichts der staatlich verordneten Jubelstimmung im Lande wohl zu kritisch geworden waren, und der Produzent Friedrich Küppersbusch (Probono GmbH) im Auftrag des Pay-TV-Senders Premiere Zuschauer und Fans aufgefordert, ihnen per Internet Videoaufnahmen aller Art rund um die WM 2006 zuzuschicken. Aus diesem Material montierte Simon Hauschild, der als Autor für Comedy-Programme arbeitet, täglich einen anderthalbminütigen Bericht für das Premiere-Programm („Meine WM“). Tom Theunissen schnitt am Ende des Spektakels aus dem Gesamtmaterial einen knapp einstündigen Film mit dem schönen Titel „Am Tag, als ich Weltmeister wurde“.
Bemerkenswert an dem Projekt und an den Ergebnissen war dreierlei. Zum einen sollte es bis auf weiteres die letzte Auftragsproduktion des Pay-TV-Senders sein, der auch in diesen Tagen so konzept- wie hilflos einer unsicheren Zukunft zuzutreiben scheint. Zum zweiten zeigten die Videobilder – selten von semi-professionellen Kameras, sondern meist mit dem Mobiltelefon aufgenommen – in hohem Maße dasselbe: jubelnde und betrunkene Fans, Schreie, Gesänge und besondere Darbietungen aller Art. Erst durch die Montage und vor allem durch den ironischen Kommentar des Tom Theunissen gewannen die disparaten Einzelelemente etwas, was man als Sinn bezeichnen könnte. Und zum dritten kann man mittels dieser miniaturisierten Kameras die engen Regeln der FIFA (und nun der UEFA) umgehen, mit denen heutzutage die Bildaufnahme und -verwertung solcher Ereignisse zur Wertmaximierung behaftet sind. (Beim Buck-McDonald‘s-Google-Projekt ist die UEFA offizieller, sprich: bezahlter Partner.) Von den Spielen sieht man aber bei solchen Aufnahmen viel zu wenig, da der filmende Fan beispielsweise im Torjubel die Arme (und mit ihr die Kamera) in die Luft reißt, statt weiter auf ein stabiles Bild zu achten. Vielleicht bemerkt ja außerdem noch die Konzernzentrale von Google, dass sich da die neue Tochter YouTube in Konkurrenz zur Mutter begibt, weshalb dann entweder der Buck sein Projekt aufgeben muss oder der Wortmann. Nicht jedes Märchen endet ja glücklich.
All das musste hiermit dringend einmal gesagt werden. Ebenso, dass die Idee der „Starregisseure“ nicht nur zu zweit daherkommt, sondern ebenfalls in den Filmen von Theunissen und Küppersbusch respektable Vorgänger hat, an denen sie sich erst noch messen lassen muss.
2.6.08 – DIETRICH LEDER / FK








