Pressespiegel
Berliner Morgenpost - 30.04.2008: Leo Buschs Talkshow bei n-tv: Zwischen Bootscamp und Kuschelpädagogik: Wann brauchen Kinder Strafen?
Super-Nanny hat dazu gelernt
Katharina Saalfrank reagiert auf Kritik und geht heute anders mit den Kindern um
Von Antje Hildebrandt
Bild aus der Morgenpost
Heute startet die sechste Staffel: Katharina Saalfrank ist wieder "Die Super-Nanny", allerdings in milderer Form
Im Grunde, findet Wolfgang Bergmann, sei die "Super-Nanny" eine Schwester von Dieter Bohlen: Beide locken Kandidaten mit falschen Versprechen in ihre Sendung. Die eine gaukele Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs vor, sie helfe ihnen bei der Erziehung. Der andere suggeriere den Teilnehmern von "Deutschland sucht den Superstar", er bringe sie groß raus. "Ein Fake", sagt der renommierte Kinderpsychologe. Beide bedienten in erster Linie das Bedürfnis nach Schadenfreude.
Bergmann muss es wissen. Er hat Bücher über das Verhältnis von Kindern und modernen Medien geschrieben. Er hat einst für selber TV-Programme entwickelt. Und als RTL 2004 die "Super-Nanny" startete, ernannte der Deutsche Kinderschutzbund ihn zum Chefankläger gegen die Sendung. Bergmann entwarf damals ein Manifest gegen die televisionäre Rohrstockpädagogik. Von "entmündigten Eltern" und "traumatisierten Kindern" war die Rede.
Heute nun startet die sechste Staffel, und Bergmann könnte sein Manifest wieder aus der Schublade zu ziehen. Er tut es nicht. Doch er steht nach wie vor dazu: Coaching-Formate wie "Die Super-Nanny", 2007 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, würden den Erziehungsnotstand eher beflügeln. RTL behaupte zwar, das Publikum könne aus Fehlern der gezeigten Familien lernen, führe aber vielmehr die Eltern, die ein Anrecht auf den Schutz ihrer Privatsphäre hätten, als Versager vor.
Dass die Kritik leiser wurde, verdankt RTL Katharina Saalfrank. Die 37-jährige Diplom-Pädagogin, selber Mutter von vier Jungs, ist inzwischen als Interviewpartnerin begehrt. Auch Bergmann hat schon mit ihr autoritäre Erziehung diskutiert. Heute attestiert ihr Bergmann, sie habe sich von der Figur der Super-Nanny emanzipiert. "Katharina Saalfrank hat eine 180-Grad-Wende vollzogen": weg von der "Domina der Kindererziehung", die unbedingten Gehorsam einfordert - hin zur resoluten, aber netten Kathia von nebenan. Dieser Wandel spiegelt sich auch in der Sendung wieder. Verschwunden ist "die stille Treppe", auf der einst schon Dreijährige ausharren mussten, wenn sie nicht so wollten wie die "Super-Nanny". Es hält auch keine Kamera frontal drauf, wenn ein Kind sich vor Wut hinwirft. "Damals haben wir nur Symptome behandelt", sagt Kathia Saalfrank, "heute fragen wir nach den Ursachen." Vor einigen Tagen trat sie in Leo Buschs Talkshow bei n-tv auf, Thema: "Zwischen Bootscamp und Kuschelpädagogik: Wann brauchen Kinder Strafen?" Dort machte sie unmissverständlich klar, ihr gehe es um partnerschaftlichen Umgang mit dem Kind - sie sei gegen Strafen. Eine solche These erfordere Mut, so Bergmann. Herrsche doch hierzulande immer noch die weitverbreitete Meinung, ein Klaps auf dem Hintern habe noch nie geschadet. Einst hat die "Super-Nanny" suggeriert, auch für komplexe Probleme gäbe es eine einfache Lösung. Damals schalteten über fünf Millionen Zuschauer ein. In der letzten Staffel waren es nur noch 3,63 Millionen.
Es scheint, als sitze Kathia Saalfrank zwischen allen Stühlen: Bemüht sie sich, dem Einzelfall gerecht zu werden, schalten die ersten ab. Erleidet eine 15-jährige Schülerin, wie in der vergangenen Staffel, bei der Ausstrahlung einen Nervenzusammenbruch, stehen sofort die Kritiker wieder vor der Tür. Bergmann hat es ja gleich gesagt: Das Fernsehen eignet sich weder als Erziehungsratgeber noch als Talentscout. Die Art, wie es die Kandidaten anschaue, präge das Bild, das diese von sich selber hätten. Und welches Mädchen wolle schon als "Horror-Tochter" über den Boulevard geistern?
Die Super-Nanny
20.15 Uhr RTL
Aus der Berliner Morgenpost vom 30. April 2008
Katharina Saalfrank reagiert auf Kritik und geht heute anders mit den Kindern um
Von Antje Hildebrandt
Bild aus der Morgenpost
Heute startet die sechste Staffel: Katharina Saalfrank ist wieder "Die Super-Nanny", allerdings in milderer Form
Im Grunde, findet Wolfgang Bergmann, sei die "Super-Nanny" eine Schwester von Dieter Bohlen: Beide locken Kandidaten mit falschen Versprechen in ihre Sendung. Die eine gaukele Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs vor, sie helfe ihnen bei der Erziehung. Der andere suggeriere den Teilnehmern von "Deutschland sucht den Superstar", er bringe sie groß raus. "Ein Fake", sagt der renommierte Kinderpsychologe. Beide bedienten in erster Linie das Bedürfnis nach Schadenfreude.
Bergmann muss es wissen. Er hat Bücher über das Verhältnis von Kindern und modernen Medien geschrieben. Er hat einst für selber TV-Programme entwickelt. Und als RTL 2004 die "Super-Nanny" startete, ernannte der Deutsche Kinderschutzbund ihn zum Chefankläger gegen die Sendung. Bergmann entwarf damals ein Manifest gegen die televisionäre Rohrstockpädagogik. Von "entmündigten Eltern" und "traumatisierten Kindern" war die Rede.
Heute nun startet die sechste Staffel, und Bergmann könnte sein Manifest wieder aus der Schublade zu ziehen. Er tut es nicht. Doch er steht nach wie vor dazu: Coaching-Formate wie "Die Super-Nanny", 2007 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, würden den Erziehungsnotstand eher beflügeln. RTL behaupte zwar, das Publikum könne aus Fehlern der gezeigten Familien lernen, führe aber vielmehr die Eltern, die ein Anrecht auf den Schutz ihrer Privatsphäre hätten, als Versager vor.
Dass die Kritik leiser wurde, verdankt RTL Katharina Saalfrank. Die 37-jährige Diplom-Pädagogin, selber Mutter von vier Jungs, ist inzwischen als Interviewpartnerin begehrt. Auch Bergmann hat schon mit ihr autoritäre Erziehung diskutiert. Heute attestiert ihr Bergmann, sie habe sich von der Figur der Super-Nanny emanzipiert. "Katharina Saalfrank hat eine 180-Grad-Wende vollzogen": weg von der "Domina der Kindererziehung", die unbedingten Gehorsam einfordert - hin zur resoluten, aber netten Kathia von nebenan. Dieser Wandel spiegelt sich auch in der Sendung wieder. Verschwunden ist "die stille Treppe", auf der einst schon Dreijährige ausharren mussten, wenn sie nicht so wollten wie die "Super-Nanny". Es hält auch keine Kamera frontal drauf, wenn ein Kind sich vor Wut hinwirft. "Damals haben wir nur Symptome behandelt", sagt Kathia Saalfrank, "heute fragen wir nach den Ursachen." Vor einigen Tagen trat sie in Leo Buschs Talkshow bei n-tv auf, Thema: "Zwischen Bootscamp und Kuschelpädagogik: Wann brauchen Kinder Strafen?" Dort machte sie unmissverständlich klar, ihr gehe es um partnerschaftlichen Umgang mit dem Kind - sie sei gegen Strafen. Eine solche These erfordere Mut, so Bergmann. Herrsche doch hierzulande immer noch die weitverbreitete Meinung, ein Klaps auf dem Hintern habe noch nie geschadet. Einst hat die "Super-Nanny" suggeriert, auch für komplexe Probleme gäbe es eine einfache Lösung. Damals schalteten über fünf Millionen Zuschauer ein. In der letzten Staffel waren es nur noch 3,63 Millionen.
Es scheint, als sitze Kathia Saalfrank zwischen allen Stühlen: Bemüht sie sich, dem Einzelfall gerecht zu werden, schalten die ersten ab. Erleidet eine 15-jährige Schülerin, wie in der vergangenen Staffel, bei der Ausstrahlung einen Nervenzusammenbruch, stehen sofort die Kritiker wieder vor der Tür. Bergmann hat es ja gleich gesagt: Das Fernsehen eignet sich weder als Erziehungsratgeber noch als Talentscout. Die Art, wie es die Kandidaten anschaue, präge das Bild, das diese von sich selber hätten. Und welches Mädchen wolle schon als "Horror-Tochter" über den Boulevard geistern?
Die Super-Nanny
20.15 Uhr RTL
Aus der Berliner Morgenpost vom 30. April 2008








