Pressespiegel
Berliner Zeitung - 05.März 2008: Raus aus den Schulden - ein Besuch bei Peter Zwegat
"Das Geschenk bin ich"
Ein Besuch bei Peter Zwegat, dem RTL-Schuldnerberater
Torsten Wahl
Die Büros im Erdgeschoss eines Friedrichshainer Hinterhofs sind eng und dunkel, die Möbel nicht gerade neu. Und doch ist es kein Zufall, dass hier eine der erfolgreichsten TV-Sendungen der letzten Monate ihren Ursprung hat. Denn Peter Zwegat, der mit der RTL-Sendung "Raus aus den Schulden" bis zu fünf Millionen Zuschauer vor den Bildschirm holt, berät hier mit seinen Mitarbeitern vom gemeinnützigen Verein Dilab schon seit mehr als 15 Jahren überschuldete Bürger, und zwar kostenlos. Der Mann weiß also, wovon er spricht.
In Berlin, der Hauptstadt der Schuldner, kann mittlerweile jeder siebte Haushalt seine Raten nicht bezahlen. Für die Dauer der TV-Sendung hat sich Zwegat zwar beurlaubt. Er kommt aber jede Woche ins Büro, um Organisatorisches zu erledigen. Ansonsten ist er fast pausenlos auf Achse: Am Abend Gast in der Show bei Johannes B. Kerner, am nächsten Tag schon wieder unterwegs zu Dreharbeiten. Acht Schuldner betreut Peter Zwegat derzeit parallel, die Arbeit an einem Fall zieht sich oft über Monate hin.
Zu Beginn jeder Folge klingelt er an der Haustür: "Guten Tag, ich bin Peter Zwegat aus Berlin. Was kann ich für Sie tun?" Zwegat ist keiner jener Wohltäter vom Fernsehen, der seine Kandidaten mit einer neuen Wohnungseinrichtung oder anderen teuren Geschenken beglückt. "Das Geschenk bin ich", erklärt er trocken - ein 57-jähriger drahtiger Finanzexperte, der unerbittlich den Finger in die Wunde legt. Auf einem großen Bogen Papier stellt er Einnahmen und Ausgaben gegenüber und summiert Schulden, die stets viel höher sind, als es die Betroffenen wahrhaben wollten.
Dieser weitgehende, oft intime Einblick in fremde Haushalte spricht viele an. Wer keine Schulden hat, sieht sich bestätigt. Wer Geldprobleme hat, der wird gewarnt und informiert. Dank "Raus aus den Schulden" ist etwa das Verfahren der Privatinsolvenz viel bekannter geworden. Zwegat betont, die Kamera führe nicht dazu, dass Banken und andere Gläubiger freigiebiger werden: "Es geht nur alles schneller. Ich muss nicht sechs Briefe schreiben, sondern nur einen."
Zwegat hat schon lange vor der RTL-Sendung immer wieder versucht, vor den Gefahren der Überschuldung zu warnen. Er kreierte Plakate mit einem Pleitegeier und ging an Schulen. Dort saß er oft Leuten gegenüber, die sich kaum für das Thema interessierten - obwohl viele von ihnen dank ihres Handys längst auf dem Weg in die Schuldenfalle waren. "Bei uns hat jedes Kind kraft Geburt Anspruch auf ein Handy", höhnt Zwegat gern. Im Dilab-Wartezimmer hängt ein Handy-Verbotsschild. Auch als Schuldenexperte im Frühstücksfernsehen hat sich Zwegat schon profiliert und vergeblich angeboten, regelmäßiger aufzuklären. Als er die RTL-Annonce las, hatte er deshalb schon ein Video mit seinen TV-Auftritten parat.
Die Sendung baut auf Zwegats Authentizität. Das Ansinnen von RTL, doch mal eine "Promi-Folge" zu produzieren, ist mit Zwegat nicht zu machen: "Promis sollen sich bitte schön einen Anwalt nehmen." Auch im Privatleben ist Zwegat der Alte geblieben. Immer noch fährt er einen betagten Kleinwagen. Einzige "Schummelei" sei, dass er, der Kettenraucher, vor der Kamera nicht rauche. Er entscheidet selbst, wem er "Raus aus den Schulden" helfen will. Keine Chance haben Alkoholabhängige, Drogensüchtige und Trickser. Peter Zwegat, seit fast vierzig Jahren in sozialen Berufen tätig, pocht auf seine Menschenkenntnis: "Der Bauer erkennt seine Schweine am Gang." Zwar wäre es ihm ein Leichtes, Betrüger vorzuführen, etwa wenn ihm jemand, der ein dickes Auto fährt, weismachen will, er verdiene nur 400 Euro. Aber in solchen Fällen bricht Zwegat lieber Dreharbeiten ab oder beginnt sie erst gar nicht. Doch selbst der erfahrene Sozialanwalt, als den er sich sieht, ist immer wieder überrascht von der Anspruchshaltung mancher Kandidaten: Mehr als einmal hat er bei "Raus aus den Schulden" Jobangebote vermittelt - und erlebt, dass seine Klienten lieber vor dem Flachbild-Fernseher sitzen blieben und es nicht mal für nötig hielten, Bewerbungstermine abzusagen.
Peter Zwegat betont, er würde nach dem Ausflug in die TV-Welt sofort an seinen Schreibtisch in den Friedrichshainer Hinterhof zurückkehren. Bis dahin allerdings will er sein Millionenpublikum über das Thema Schuldenprävention aufklären und für den Ausbau der öffentlichen Schuldnerberatung werben. Außerdem will Peter Zwegat Gastauftritte in anderen Sendungen dazu nutzen, eine Notkasse für seinen Verein Dilab einzurichten. Wenn mal wieder eine Mutter ins Büro kommt und darüber klagt, dass ihr der Strom abgestellt wird, will er unbürokratisch helfen können. Natürlich muss diese Nothilfe wieder abgestottert werden - denn außer seine Hilfe hat Peter Zwegat nichts zu verschenken.
Raus aus den Schulden; mittwochs, 21.15, RTL
Ein Besuch bei Peter Zwegat, dem RTL-Schuldnerberater
Torsten Wahl
Die Büros im Erdgeschoss eines Friedrichshainer Hinterhofs sind eng und dunkel, die Möbel nicht gerade neu. Und doch ist es kein Zufall, dass hier eine der erfolgreichsten TV-Sendungen der letzten Monate ihren Ursprung hat. Denn Peter Zwegat, der mit der RTL-Sendung "Raus aus den Schulden" bis zu fünf Millionen Zuschauer vor den Bildschirm holt, berät hier mit seinen Mitarbeitern vom gemeinnützigen Verein Dilab schon seit mehr als 15 Jahren überschuldete Bürger, und zwar kostenlos. Der Mann weiß also, wovon er spricht.
In Berlin, der Hauptstadt der Schuldner, kann mittlerweile jeder siebte Haushalt seine Raten nicht bezahlen. Für die Dauer der TV-Sendung hat sich Zwegat zwar beurlaubt. Er kommt aber jede Woche ins Büro, um Organisatorisches zu erledigen. Ansonsten ist er fast pausenlos auf Achse: Am Abend Gast in der Show bei Johannes B. Kerner, am nächsten Tag schon wieder unterwegs zu Dreharbeiten. Acht Schuldner betreut Peter Zwegat derzeit parallel, die Arbeit an einem Fall zieht sich oft über Monate hin.
Zu Beginn jeder Folge klingelt er an der Haustür: "Guten Tag, ich bin Peter Zwegat aus Berlin. Was kann ich für Sie tun?" Zwegat ist keiner jener Wohltäter vom Fernsehen, der seine Kandidaten mit einer neuen Wohnungseinrichtung oder anderen teuren Geschenken beglückt. "Das Geschenk bin ich", erklärt er trocken - ein 57-jähriger drahtiger Finanzexperte, der unerbittlich den Finger in die Wunde legt. Auf einem großen Bogen Papier stellt er Einnahmen und Ausgaben gegenüber und summiert Schulden, die stets viel höher sind, als es die Betroffenen wahrhaben wollten.
Dieser weitgehende, oft intime Einblick in fremde Haushalte spricht viele an. Wer keine Schulden hat, sieht sich bestätigt. Wer Geldprobleme hat, der wird gewarnt und informiert. Dank "Raus aus den Schulden" ist etwa das Verfahren der Privatinsolvenz viel bekannter geworden. Zwegat betont, die Kamera führe nicht dazu, dass Banken und andere Gläubiger freigiebiger werden: "Es geht nur alles schneller. Ich muss nicht sechs Briefe schreiben, sondern nur einen."
Zwegat hat schon lange vor der RTL-Sendung immer wieder versucht, vor den Gefahren der Überschuldung zu warnen. Er kreierte Plakate mit einem Pleitegeier und ging an Schulen. Dort saß er oft Leuten gegenüber, die sich kaum für das Thema interessierten - obwohl viele von ihnen dank ihres Handys längst auf dem Weg in die Schuldenfalle waren. "Bei uns hat jedes Kind kraft Geburt Anspruch auf ein Handy", höhnt Zwegat gern. Im Dilab-Wartezimmer hängt ein Handy-Verbotsschild. Auch als Schuldenexperte im Frühstücksfernsehen hat sich Zwegat schon profiliert und vergeblich angeboten, regelmäßiger aufzuklären. Als er die RTL-Annonce las, hatte er deshalb schon ein Video mit seinen TV-Auftritten parat.
Die Sendung baut auf Zwegats Authentizität. Das Ansinnen von RTL, doch mal eine "Promi-Folge" zu produzieren, ist mit Zwegat nicht zu machen: "Promis sollen sich bitte schön einen Anwalt nehmen." Auch im Privatleben ist Zwegat der Alte geblieben. Immer noch fährt er einen betagten Kleinwagen. Einzige "Schummelei" sei, dass er, der Kettenraucher, vor der Kamera nicht rauche. Er entscheidet selbst, wem er "Raus aus den Schulden" helfen will. Keine Chance haben Alkoholabhängige, Drogensüchtige und Trickser. Peter Zwegat, seit fast vierzig Jahren in sozialen Berufen tätig, pocht auf seine Menschenkenntnis: "Der Bauer erkennt seine Schweine am Gang." Zwar wäre es ihm ein Leichtes, Betrüger vorzuführen, etwa wenn ihm jemand, der ein dickes Auto fährt, weismachen will, er verdiene nur 400 Euro. Aber in solchen Fällen bricht Zwegat lieber Dreharbeiten ab oder beginnt sie erst gar nicht. Doch selbst der erfahrene Sozialanwalt, als den er sich sieht, ist immer wieder überrascht von der Anspruchshaltung mancher Kandidaten: Mehr als einmal hat er bei "Raus aus den Schulden" Jobangebote vermittelt - und erlebt, dass seine Klienten lieber vor dem Flachbild-Fernseher sitzen blieben und es nicht mal für nötig hielten, Bewerbungstermine abzusagen.
Peter Zwegat betont, er würde nach dem Ausflug in die TV-Welt sofort an seinen Schreibtisch in den Friedrichshainer Hinterhof zurückkehren. Bis dahin allerdings will er sein Millionenpublikum über das Thema Schuldenprävention aufklären und für den Ausbau der öffentlichen Schuldnerberatung werben. Außerdem will Peter Zwegat Gastauftritte in anderen Sendungen dazu nutzen, eine Notkasse für seinen Verein Dilab einzurichten. Wenn mal wieder eine Mutter ins Büro kommt und darüber klagt, dass ihr der Strom abgestellt wird, will er unbürokratisch helfen können. Natürlich muss diese Nothilfe wieder abgestottert werden - denn außer seine Hilfe hat Peter Zwegat nichts zu verschenken.
Raus aus den Schulden; mittwochs, 21.15, RTL








